Schlafstörungen

Schlafstörungen und Abgrenzung zu schlechtem Schlaf

Nicht ein- oder durchschlafen zu können – das kennt jeder. Doch unter welchen Voraussetzungen spricht man wirklich von einer Schlafstörung? Und was unterscheidet diese von schlechtem Schlaf?

Schlecht geschlafen? Diese Frage hat wohl jeder von uns schon mehrfach mit „Ja“ beantwortet. Durchaus auch an mehreren Tagen hintereinander. In besonderen Lebenssituationen, beispielsweise, wenn wir eine wichtige Entscheidung treffen müssen oder wir uns Sorgen machen, ist es ganz normal, dass uns das vorübergehend „den Schlaf raubt“.

Sind durchwachte oder extrem kurze Nächte, nach denen man sich „wie gerädert“ fühlt allerdings die Regel, kann eine Schlafstörung vorliegen. Der medizinische Fachbegriff für Schlafstörung heißt „Insomnie“ (von lateinisch: in = nicht, somnus = Schlaf). Etwa 33 % der deutschen Bevölkerung leiden unter gelegentlich schlechtem Schlaf, eine echte Schlafstörung haben etwa 6 %. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.1

Die wichtigsten Kriterien, um wirklich von einer Schlafstörung sprechen zu können, sind, dass:  

  • die Schlafprobleme über mehrere Wochen bestehen und mindestens dreimal pro Woche auftreten.
  • die Betroffenen ihren Schlaf selbst als nicht erholsam empfinden.
  • dies zu Einschränkungen am darauffolgenden Tag führt und Betroffene Schwierigkeiten haben, ihren Alltag zu bewältigen.2

Wodurch können Schlafstörungen entstehen?

Neben einer mangelnden Schlafhygiene können zum Beispiel psychische und körperliche Belastungszustände und Erkrankungen, die Einnahme bestimmter Medikamente und Faktoren des Lebensstils begünstigend oder auslösend für Schlafstörungen sein.

Dies kann beispielsweise ein belastendes Lebensereignis wie eine Trennung oder der Tod eines nahestehenden Menschen sein oder lebensverändernde Umstände wie die Geburt eines Kindes oder die Pflege eines Angehörigen. Weniger offensichtliche, dafür aber häufige Ursachen für Schlafstörungen sind sogenannte „schlafbezogene Atmungsstörungen“ wie zum Beispiel Schnarchen oder nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe).

Wie kann man Schlafstörungen behandeln?

Bei der Therapie von Schlafstörungen steht zunächst immer die Behandlung der zugrundeliegenden Ursache im Vordergrund. Dies gilt für psychische wie physische Ursachen gleichermaßen. Sind Veränderungen der oberen Atemwege ursächlich für Schnarchen oder nächtliche Atempausen, so können unter Umständen auch operative Maßnahmen, wie zum Beispiel die Verkleinerung der Nasenmuscheln oder eine Straffung des Gaumensegels, Abhilfe schaffen.

Übergewicht ist ein begünstigender Faktor für obstruktive Schlafapnoe, insofern wäre eine Gewichtsabnahme zunächst vorrangiges Ziel. Einer im Schlaf erschlafften Rachenmuskulatur kann mit einer Überdrucktherapie (CPAP) entgegengewirkt werden. Gute Ergebnisse zeigen auch sogenannte Schlafschienen (Unterkieferprotrusionsschienen), die den Unterkiefer bzw. die Zunge im Schlaf leicht nach vorne verlagern. 3

Bei einem Großteil der Patienten und Patientinnen begünstigt das Schlafen in Rückenlage die Symptomatik, da die Zunge wegen der Schwerkraft in Richtung Rachen fällt. Spezielle Kissen, die wie eine Weste oder ein Rucksack getragen werden, können verhindern, dass man sich im Schlaf auf den Rücken dreht. 4

Quellen:
  1. Schlack R et al. Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen und Insomnie in der deutschen Erwachsenenbevölkerung https://edoc.rki.de/handle/176904/1502 [zuletzt besucht am 25.02.2022].
  2. Stiftung Gesundheitswissen https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/insomnie/‌hintergrund, Stand 2020 [zuletzt besucht am 25.02.2022].
  3. Teil-Aktualisierung S3-Leitlinie: Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/063_D_Ges_fuer_Schlafforschung_und_Schlafmedizin/063-001l_S3_SBAS_Teil-Aktualisierung_2020_2020-09.pdf [zuletzt besucht am 25.03.2022].
  4. Yagihara F et al. Patients With OSA Are as Younger Following Treatment With CPAP Chest. 2019 Mar 27. pii: S0012-3692(19)30709-3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30926396 [zuletzt besucht am 25.02.2022].

Weitere Artikel